NEUTRAL IST DEINE PRAXIS NICHT
was Deine Praxis über Dich sagt
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Ästhetische Relevanz
Über den Erfolg Deiner Praxis entscheidet längst nicht mehr allein Dein handwerkliches Können. In der ästhetischen Medizin gleichen sich Techniken, Produkte und Behandlungsangebote zunehmend an. Allerdings entscheiden sich Patient:innen nicht nur aufgrund von Ergebnissen, sondern danach, ob sie sich verstanden, respektiert und ernst genommen fühlen.
Gerade in einem stark umkämpften Markt wird Vertrauen zum entscheidenden Faktor. Eine sichere, diskriminierungssensible Praxisumgebung beeinflusst nicht nur die Patient:innenbindung, sondern auch die Weiterempfehlung und den langfristigen Erfolg ästhetischer Behandlungen.
Rassismus und Diskriminierung machen auch vor der Behandlungsliege nicht halt. Studien zeigen, dass strukturelle und interpersonelle Diskriminierung die medizinische Versorgung, die Arzt-Patient:innen-Kommunikation und die gesundheitlichen Outcomes von Patient:innen nachweislich beeinflussen. Diese Effekte betreffen nicht nur die somatische Gesundheit, sondern auch Vertrauen, Therapietreue und die Bereitschaft, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für Arztpraxen bedeutet das eine konkrete Verantwortung: Diskriminierung in der medizinischen Praxis zu erkennen, zu reflektieren und aktiv vorzubeugen. Evidenzbasierte Strategien zur Prävention von Rassismus im Gesundheitswesen sind dabei kein Zusatz, sondern Teil einer professionellen, patient:innenzentrierten Versorgung. Auf Basis aktueller wissenschaftlicher Literatur haben wir Dir zusammengetragen, wie sich bestehende Empfehlungen und Erkenntnisse praxisnah in den medizinischen Alltag integrieren lassen.

Fachgesellschaften wie die American Academy of Pediatrics empfehlen zum Beispiel ganz konkrete Schritte. Dazu gehört, dass in Gesundheitseinrichtungen eine respektvolle, sichere und kultursensible Praxisumgebung geschafft werden soll. Zugegeben, das klingt fast zu offensichtlich. Zeigt aber auch, dass Grundsätzliches noch lange kein Standard ist. Mit diesen Maßnahmen sollen psychosoziale Stressoren und soziale Determinanten systematisch erfasst und in die Behandlung einbezogen werden. Auch validierte Tools zur Erfassung von Rassismuserfahrungen werden explizit empfohlen.
Bitte beachtet: Selbst ein reflektierter Umgang schützt nicht davor, durch eigene Prägung und Ausbildung Vorverurteilungen aufzubauen. Daher müssen wir lernen, unsere eigenen Vorannahmen regelmäßig zu hinterfragen und anzuerkennen, dass auch ungewollte Stereotype in die Behandlung einfließen können (1). Bitte versucht dabei auch zu reflektieren, wie Eure Bilder entstehen: Welche Medien konsumieren wir? Wie ist das derzeitige politische Klima, in dem wir agieren? Welchen Einfluss hat das auf mein Menschenbild?
Kulturelle Demut in Deiner Praxis
Interessant für Deine Praxis ist auch die Empfehlung der American Psychiatric Association. Der Aspekt der kulturelle Demut setzt sich ganz bewusst mit Deiner Rolle als Ärzt:in auseinander (2). Gemeint ist hier Deine Bereitschaft, sich als Ärzt:in im Dialog weiterzuentwickeln. Mit dieser Herangehensweise wird mit dem alten Narrativ der "allwissenden Ärzt:in" gebrochen. Wirklich gut gelingt das nur, wenn wir nicht nur in fachlichen Fragen den Mut haben, „ich weiß es nicht“ zu sagen, sondern auch erkennen, dass unsere eigene Lebensrealität und unser Wertekanon kein allgemeingültiger Maßstab sind.
Gehen wir es an
Einen systematischen Kommunikationsansatz bietet das Presence 5 for Racial Justice Framework: Ärzt:innen sollen aktiv zuhören, bewusst nach Zielen und Sorgen fragen, Erfahrungen mit Diskriminierung sensibel thematisieren, die Lebensrealität der Patient:innen ernst nehmen und eigene Vorannahmen hinterfragen. Dieser Ansatz stärkt nachweislich die therapeutische Beziehung und baut Vertrauen auf (3). Diskutieren wir das nun im Alltag unserer Praxis, bleibt ganz nüchtern betrachtet gar nicht immer die Zeit, all Deinen Patient:innen das in einem Gespräch anzubieten. Und doch gibt es Wege, um sensibel mit solchen Fragen umzugehen. Zum Beispiel jenseits des direkten Kontakts. Vielleicht über eine kleine Umfrage auf Deiner Homepage? Oder über Inhalte auf Deinen Social-Media-Kanälen, die Patient:innen zum Nachdenken einladen? Überlege, wie Du selbst Dir wünschen würdest, informiert oder einbezogen zu werden. Hilfreich ist dabei auch die Empfehlung aus dem Scoping Review von Borowsky et al. (4) zur Integration von „Race Dialogues“, also strukturierten Teamgesprächen über Rassismus. Weitere Ansätze zeigen, dass Prinzipien der Restorative Justice helfen können, interkulturelle Missverständnisse und Konflikte im Team nicht nur anzusprechen, sondern auch gemeinsam zu lösen. Solche Formate lassen sich auch gut auf andere Themen übertragen, zum Beispiel auf psychische Belastungen im Arbeitsalltag oder herausfordernde Patient:innenkontakte.
Aber sind wir ehrlich: Für solche strukturellen Prozesse haben wir doch oft gar nicht die Zeit. Deswegen bleibt diese wichtige Arbeit liegen. Wie schaffen wir es also, mit knapper Zeit und engen Ressourcen diese Empfehlungen einzubinden.
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So gelingt Dir die Integration in den Alltag
Um Teambesprechungen zu Rassismus und Diskriminierung sinnvoll in den Praxisalltag zu integrieren, zeigen aktuelle Empfehlungen und Studien einige praktikable Ansätze:
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Kurzformate etablieren: Statt aufwendiger Sitzungen kann bereits ein regelmäßiger 15-Minuten-Austausch im Rahmen der Übergabe oder am Wochenstart helfen, Themen wie interkulturelle Kommunikation, Diskriminierungserfahrungen oder Fallbesprechungen niedrigschwellig zu thematisieren (4)
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Verbindlichkeit schaffen: Wenn solche Besprechungen Teil des Qualitätsmanagements oder der Teamsupervision werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht untergehen (3)
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Themen rotieren lassen: Besprecht nicht nur Rassismus, sondern integriert auch Themen wie psychische Belastung, herausfordernde Gespräche oder strukturelle Barrieren. So entsteht ein nachhaltiger Raum für Reflexion und kollegiale Unterstützung.
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Feedback einholen: Nutzt kurze, anonyme Rückmeldungen, um zu erfahren, ob die Besprechungen hilfreich sind und was sich das Team noch wünscht. So bleibt der Prozess lebendig und partizipativ.
Literaturverzeichnis
1. Trent M, Dooley DG, Dougé J. The Impact of Racism on Child and Adolescent Health. Pediatrics. 2019;144(2):e20191765. doi:10.1542/peds.2019-1765
2. American Psychiatric Association. Resource Document on How Psychiatrists Can Talk with Patients and Their Families About Race and Racism. 2020
3. Brown-Johnson C, Cox J, Shankar M, et al. The Presence 5 for Racial Justice Framework. Health Serv Res. 2022;57 Suppl 2:263–278. doi:10.1111/1475-6773.14015
4. Borowsky HM, Schofield CL, Du T, et al. Race Dialogues and Potential Application in Clinical Environments. J Gen Intern Med. 2024;39(15):3064–3072. doi:10.1007/s11606-024-08915-3
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DR. SOPHIA WILK-VOLLMANN
EPHIA Mitgründerin & Dozentin
Ästhetische Medizin
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Tina Bellinghausen
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Wieso wir "Botox®" sagen aber "Botulinum" meinen
Botox® ist eigentlich ein Handelsname für ein spezifisches, zugelassenes Präparat auf Basis von Botulinumtoxin, das aus dem Bakterium Clostridium botulinum gewonnen wird. In korrekter medizinischer Terminologie sprechen wir vom Wirkstoff Botulinumtoxin, nicht von Botox®. Bei fachgerechter Anwendung, mit zugelassenen Präparaten und in korrekter Dosierung, entfaltet es keine toxische Wirkung. Der Begriff „Toxin“ weckt allerdings oft die Assoziation einer pathologischen Wirkung, die in diesem Kontext bei fachgerechter Anwendung nicht zutrifft. Wir möchten die Risiken des Medikaments nicht verharmlosen, behandeln es jedoch wie jedes andere Arzneimittel auch: Als wirksame Substanz mit definierten Indikationen, Dosierungen, Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen.
Im Alltag verwenden viele jedoch den Begriff „Botox®“ und auch Suchmaschinen sind auf diesen Begriff optimiert. Damit unsere Inhalte leichter gefunden werden, nutzen wir in in unseren Artikeln zum Teil ebenfalls „Botox®“, meinen aber "Botulinum".
Pauline Freidl
EPHIA Dozentin
Ästhetische Medizin
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